PATA MESSENGERS
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Rainer Maria Rilke


Preis der deutschen Schallplattenkritik

Die CD wurde von der Jury Jazz für die Bestenliste 2/2016 nominiert

Bild des Ensembles Pata Messengers

Norbert Stein - Tenorsaxophon
Nicola Hein- Elektrische Gitarre
Joscha Oetz - Kontrabass
Etienne Nillesen- Präparierte Snare drum + Cymbal

Lesung der Gedichte: Ingrid Noemi Stein
(Audioeinspielung)

Im Zentrum steht die Vertonung von Gedichten von Rainer Maria Rilke über Leben, Liebe, Leidenschaft. Neue Pata-Kompositionen übersetzen die Lyrik von Rilke in eine spannende Musik, in der sich die Virtuosität, die Interaktionen und die Kunst der Improvisation der Pata Messengers entfaltet. Ein kraftvoller Fluss expressiver Musik.

Rainer Maria Rilke

Einerseits heiter-entspannte, oft lakonisch-pointierte Natur- und Landschaftsgedichte, andererseits poetisch kühne Experimente, die rein aus der Sprache herausgearbeitet sind: Intensive Beobachtungen der Natur sowie des menschlichen Verhaltens und Gefühlslebens: Dies alles bildet Rilkes "Weltinnenraum"

CD CoverDas Karussell

Erhältlich im Pata CD-Shop

Über die Genauigkeit der Gefühle

Den Panther aus dem Jardin des Plantes ("Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe / und hinter tausend Stäben keine Welt") kennt wohl fast jeder. Norbert Stein natürlich auch, andererseits hat er sich bisher vor allem mit dem französischen Surrealismus in Verbindung gebracht und mit Alfred Jarry, dem Erfinder der Pataphysik. Von ihm hat er das emblematische Präfix "Pata-" für seine Bands Pata Masters, Pata Messengers und für seine Produktionsfirma Pata Music geliehen. Aber jetzt ist Rainer Maria Rilke an der Reihe.

Rilke, 1875 geboren und 1926 gestorben, war Zeitgenosse Alfred Jarrys, des französischen Surrealismus und auch des frühen Jazz. Sein Ruf in Deutschland ist aber eher der eines parfümierten literarischen Salonlöwen, esoterisch, weitabgewandt und elitär. Das habe er nicht verdient, meint Norbert Stein nach ausgiebiger Auseinandersetzung mit dem Dichter. Auf Rilke ist Stein durch die Künstlerin Dea Bohde gekommen, mit der er zusammenarbeitet und sein Rilke-Projekt in einer Duo Formation bei der Eröffnung einer Ausstellung ihrer Arbeiten in Köln präsentiert hat. Gleichzeitig ist bei Pata Music sein Album mit Rilke-Vertonungen erschienen, eingespielt vom Quartett Pata Messengers.

Wie aber vertont man Rilke? Norbert Stein hat sich gegen jegliche liedhafte Lösung entschieden. Niemand singt bei ihm zu Klavier- oder Gitarrenbegleitung. Die acht Stücke sind jeweils zweigeteilt. Der unprätentiösen, sehr präzisen Rezitation des jeweiligen Textes durch die Schauspielerin Ingrid Noemi Stein folgt eine Art musikalischer Nachdichtung. Norbert Stein hat für seine Kompositionen zwei verschiedene Wege zum Text oder neben ihm her gewählt. Der eine ist der, den Opernkomponisten häufig wählen, nämlich, einem gesprochenen Satz seine Melodie und seinen Rhythmus abzulauschen und beides in Musik zu übersetzen. Der zweite Weg besteht darin, einer klanglichen Assoziation zu folgen, die von dem Text ausgelöst worden ist. Beide Verfahrensweisen haben gemeinsam, dass sie den Inhalt und die sprachliche Gestalt des Gedichts jeweils als musikalisches Material behandeln. Die Komposition rückt dabei dem Gedicht so nahe, dass Norbert Stein auf eigene Titel für seine Stücke verzichtet.

Auf diese Weise hat die Auseinandersetzung mit Rilkes Texten einen wunderbar reichen, vor allem melodischen Ertrag. Natürlich lässt sich, wie Norbert Stein einräumt, das Melodische nie von der klanglichen Gestaltung und der rhythmischen Gliederung trennen. Aber es ist doch die Melodie, die sich in den Vordergrund schiebt. Das entspreche auch dem grundlegenden Charakter von Rilkes Lyrik, meint Stein. Sie sei gedankenreich und dabei fast wortkarg, formstreng und auf eigentümliche Weise präzise. Sie besitze reiche und intensive emotionale Färbungen. Sie sei voller erstaunlicher Perspektiven auf die Welt und das Leben und bleibe dabei doch immer einfach, schön und vor allem fein geschliffen. So, sagt Norbert Stein, müsse auch die Musik sein. Das gehe nur mit einer vergleichsweise kleinen Band: "Für ein Quartett kann man nicht so aufwändig arrangieren wie für größere Gruppen. Die Musik muss im Quartett von ihrer Klarheit leben, weil keine orchestrale Üppigkeit zur Verfügung steht."

So viel zur kompositorischen Seite - wo aber bleibt die Improvisation? Norbert Stein spielt Tenorsaxofon, Joscha Oetz Kontrabass, Schlagwerker Etienne Nillesen beschränkt sich auf Snare Drum und Becken, arbeitet also ohne die sonst üblichen tieferen Regionen des Drumset. Der SoundKünstler Nicola Hein spielt eine enorm klangreich konfigurierte Gitarre. Jeder in der Band weiß immer sehr genau, was zu tun ist. Das liegt einerseits an den kompositorischen Vorgaben, andererseits aber auch an einer Einfühlung in den speziellen Geist der Klarheit, der diesem Projekt eigen ist und der erfordert, dass in der Improvisation stets größte Verbindlichkeit herrscht. Was für Gestaltungsmöglichkeiten dieses Konzept von lyrischer Präzision hat, hört man zum Beispiel, wenn Saxofon und Gitarre eine Melodie unisono entfalten und ihr damit eine so nachdrückliche Präsenz geben, dass man sich von ihr kaum trennen mag. Ein Höhepunkt dieser wunderbar gelungenen, formalen und inhaltlich ausgewiesenen Kompositionsarbeit ist das letzte und titelgebende Stück "Das Karussell". Inhaltlich ist Rilkes Gedicht eine erstaunte und erstaunliche Betrachtung über die Welt und die merkwürdigen Dinge, die Menschen darin miteinander und mit anderen Lebewesen tun; andererseits zeichnet es zugleich ein feinsinniges Bild von Verausgabung, Farbigkeit und auswegloser Immerwiederkehr. Norbert Steins Musik nimmt die emotionalen Farben zwischen elegisch untermaltem Erstaunen und expressiv haltund richtungslosem Zorn auf, würdigt dabei eine repetitive Text-Figur, die im Gedicht wie ein Riff auftaucht, und kommt am Ende zurück auf den Anfang, so dass die Musik selbst das Kreisen und die Energie des Karussells nachbildet.

Die repetitive Text-Figur ist übrigens kein Panther, sondern ein weißer Elefant.

Hans-Jürgen Linke, Jazzthetik

Als strömten Rilkes Verse in diesem Quartettjazz einfach weiter

Die künstlerische Verbindung von Musik und gesprochenem Wort ist eine heikle Sache, die Geschmack und Skrupel verlangt. Gerade mit Rilke-Texten wurden da in der Vergangenheit viel zu billige Lösungen gesucht. Der Saxofonist Norbert Stein geht seinen eigenen Weg: Er trennt Gedicht und Musik, sie wechseln einander stetig ab. Die Tochter des Musikers, die Schauspielerin Ingrid Noemi Stein (27), übernimmt dabei den lyrischen Vortrag - und wie sie das tut, verdient allen Applaus. Denn diese etwas in die Jahre gekommenen, ein wenig an sich selbst berauschten, fast somnambulen Rilke-Verse liest sie so frisch, als handle es sich um hochaktuelle Gefühls- und Gedankenprosa. Und nach jedem der acht Gedichte greift dann das Quartett des Saxofonisten den Impuls auf und entwickelt daraus eine eigenwillige Jazzballade - mal in freiem Tempo, mal mit angedeutetem Latin-Rhythmus, mal mit vitalem Shuffle-Swing, mal an den späten John Coltrane erinnernd oder auch (in „Das Karussell“) mit sanftem Walzeranklang. Steins geschmeidiges Tenorsaxofon agiert dabei wie ein weiterer lyrischer Rezitator. In den Themen, die er spielt, erkennt man unschwer den Silbenduktus der Gedichte. Fast scheint es sogar, als strömten Rilkes Verse in diesem Quartettjazz einfach weiter, würden dabei von musikalischen Nebenflüssen gespeist und nähmen ungeahnte neue Bedeutungen an. Rilke als Inspirator - offenbar ein unerschöpfliches Thema. Diesmal hat der Dichter zu einigen ungewohnt sensiblen und hörenswert mutigen Jazzstücken angeregt.

Hans-Jürgen Schaal: KultKomplott

Sie tragen die Emotion weiter, eröffnen neue Assoziations- und Fantasieräume

Jazz ist gerade in seinen Randbereichen spannend – vor allem, wenn er nicht selbst-referentiell und sich selber kreist, sondern in andere Bereiche eindringt oder diese zu integrieren weiß. Allein, weil dadurch auch Chancen wachsen, neue Hörer für die vielgestaltige Welt improvisierter Klänge zu öffnen.

Nobert Stein und sein Quartett Pata Messengers haben das gewichtige Bezugsfeld "Jazz trifft Literatur" für sich definiert – und die Rechnung geht hier auf:

Auf ihrer CD "play Rainer Maria Rilke" finden sich acht Rilke-Texte musikalisch weitergedacht und überhöht. Aber man tut gut daran, die Originale unangetastet zu lassen. Ingrid Noemi Stein trägt erstmal in ruhigem Sprachgestus und mit sinnlicher dunkler Stimme alles vor. Nichts greift hier ein, nichts soll manipulieren. Die Welt ist schon laut genug, so dass man die Worte selbst nicht noch lauter machen braucht.

Also setzt die Band mit ihrem freigeistig improvisierenden Spiel immer erst nach den jeweiligen Worten ein. Also liefern die kollektiven Improvisationen, Klangskizzen, Freejazz-Ausbrüche oder auch lyrische Balladen-Splitter jedes Mal eine Art Resummé. Sie tragen die Emotion weiter, eröffnen neue Assoziations- und Fantasieräume aus, bei der aber die Rilke Texte in jedem Moment Ausgangspunkt bleiben.

Wie soll ich meine Seele halten? Der fragende Gestus zielt auf ein Gefühlschaos bei Liebenden aus. Wenn Grenzen zwischen zwei Menschen dahinschwinden, sind das auch Grenzerfahrungen. Dissonante Intervallsprünge aus Norbert Steins Tenorsaxofon treiben den Suchenden atmemlos voran. Die Empfindungswelt steigert sich ins Bedrängende, setzt Momente einer bohrenden expressiven Dichte frei.

Was war in deinen Träumen? Fragt ein Text und zieht mit nur wenigen Worten in tiefste Schichten des Unterbewussten hinein. Da braucht der Hörer/Rezipient erstmal eine Atempause, die von den Pata Messengers auf den Punkt geliefert wird: Lyrisch, nachdenklich, fast kindlich-unschuldig antworten Norbert Stein und Joscha Oetz im betont sanglichen Duett.

"Graue Liebesschlagen" sind Thema einer skurrilen Momentaufnahme – auch dies wieder Worte, die mehr Fragen aufwerfen als Antworten liefern. Damit man hier nicht die Leichtigkeit verliert, spielt die Band eine funkige Nummer, die fröhlich, unterhaltsam und vordergründig wirkt.

Ein richtig großes Fass macht ein Text auf, der beschreibt, wie ist es ist, die Erde nicht mehr zu bewohnen. "Das tot sein ist mühsam und voller Nachholen". "Lebendige machen alle den Fehler, dass sie zu stark unterscheiden." " Engel wüssten oft nicht ob sie unter lebenden oder toten gehen." war das nicht das zentrale Thema bei "Himmel über Berlin"? Die ganze zarte Melancholie, die fast märchenhafte Aura, die von solchen Assoziationen aussieht, gibt einer melancholischen, friedlich durchatmenden Jazzballade Nahrung.

Auf ähnliche, aber immer wieder verblüffend vielgestaltige, unberechenbare Weise funktionieren auch die weiteren Stücke, vor allem auch das sehr bildhafte Titelstück, das das kindliche Erleben einer Karussellfahrt plastisch erfahrbar macht. Rilkes Texte sind Ideensplitter, die ganz schnell und mit nur wenig Worten zu großen Gedankengebäuden werden. Momentaufnahmen, die jedes Mal eine andere Emotion oder Farbe haben. Norbert Stein, Saxofon, Nicola Hein, Gitarre, Joscha Oetz, Bass und Etienne Niellesen, Percussion haben die Literatur hoch empfinsam auf sich wirken lassen, brachten dadurch die Saiten ihrer eigenen musikalischen Fantasie zum klingen und geben all dies mit bester Spielfreude weiter. Hier wird "angewandter" Jazz in bestem Sinne praktiziert!

Stefan Pieper nrwjazz.net

Ein perfektes Beispiel, wozu die vom Jazz ausgehende Musik in der Lage ist, das man sich nicht entgehen lassen sollte

Mit seiner neuen CD zu Texten von Rainer Maria Rilke begibt sich der Kölner Saxophonist und Komponist Norbert Stein zurück zu den Anfängen der Idee seines Projekts "Pata". Gelernt hat er dies beim Studium der Literatur von Alfred Jarry, dem französischen Surrealisten. dessen Hauptwerk "Ubu Roi" unvergessen ist. der den Begriff der Pataphysik erfand, dem großartigen Leben jenseits der Realität, über diese hinaus.
Rllke, einer der wichtigsten deutschen Schriftsteller und Kollege von Alfred Jarry um die Jahrhundertwende mit starken Bindungen nach Frankreich, ging nicht ganz den radikalen Weg des Surrealismus, der ja schließlich auch zur totalen Öffnung der Kunst in den 20er Jahren und der Neuen/lmprovisierten Musik in den 50er und 60er Jahren führte.
Norbert Stein führt diese Phänomene sehr gekonnt zusammen, Musik und Literatur, ein Zusammentreffen, das es in der deutschen Kulturszene leider nur sehr selten gibt, in der französischen bis heute umso häufiger. Norbert Stein verzichtet auf Gesang, beschränkt die Texte auf die Lesung jeweils eines Gedichts von der Schauspielerin Ingrid Noemi Stein. Acht Texte sind es insgesamt von "Wie soll ich meine Seele halten" über "Lösch mir die Augen aus, ich kann dich sehen" bis zu "Das Karussell", wohl einer der bekanntesten Texte Rilkes mit dem immer wieder auftauchenden ,"kleinen und weißen Elefanten", aus dem Leben in Paris. Auf die Texte folgt eine musikalische Fortsetzung des Gedichts meist durch das Saxophon Steins. das in weitere Interpretationen übergehl, um dann in freien Improvisationen oder beser den Interpretationen der vier Musiker endet. Nicola Hein, elektrische Gitarre, Joscha Oetz, Kontrabass, Etienne Nlllessen, prepared snare drum und Cymbal. Ein perfektes Beispiel der aktuellen Musik. wie sie in Köln seit der Kreierung des sog. Free Jazz zuhause ist. Ein perfektes Beispiel, wozu die vom Jazz ausgehende Musik in der Lage ist, das man sich nicht entgehen lassen sollte: die Pata Messengers von Norbert Stein und Rainer Maria Rilke.

Hans-Jürgen von Osterhausen, Jazzpodium

Eine äußerst gelungene Produktion in edlem Buch-Cover

Graue Liebesschlangen
Norbert Stein spielt Rainer Maria Rilke

Vor kurzem, am 4. Dezember 2015, hat eine kleine Schar von Aficionados den 140. Geburtstag von Rainer Maria Rilke gefeiert. Der Kölner Saxofonist Norbert Stein erweist dem Dichter mit einer spannenden und stimmungsvollen CD die Ehre.

Rilke gilt allgemein als einer der wichtigsten Poeten an der Schwelle zur „Moderne“ des frühen 20. Jahrhunderts. In seinem „Weltinnenraum“ verbinden sich Beobachtungen der Natur, von Dingen sowie des menschlichen Gefühlslebens. Seit über 100 Jahren haben Rilkes Gedichte Komponisten zu Vertonungen angeregt, beginnend mit Alban Berg und Arnold Schönberg über Kurt Weill, Leonard Bernstein, Krzysztof Penderecki bis zum kommerziell sehr erfolgreichen Rilke Projekt des deutschen Komponisten- und Produzententeams Richard Schönherz und Angelica Fleer.

Der Saxofonist, Komponist und Bandleader Norbert Stein stellt sich nun mit einer CD seines Quartetts Pata Messengers in diese Reihe, die dem klassischen „Poesie & Musik“-Schema folgt, indem immer ein Gedicht (gelesen von seiner Tochter Ingrid Noemi Stein) durch ein dazu gehöriges Musikstück erweitert wird. Keine liedhaften Vertonungen also, sondern assoziative Kommentare, die das Quartett mit Norbert Stein (ts), Nicola Hein (g), Joscha Oetz (b) und Etienne Nillesen (dr) einmal wie eine Jazzcombo, dann wieder wie ein zeitgenössisches Ensemble interpretiert.

Stein holt sich seine Ideen direkt aus den Texten, so z.B. Motivketten aus 4 Tönen = Violinsaiten aus der Zeile „Und welcher Geiger hält uns in der Hand?“, lässt lange, erzählende Melodiebögen dem Sprachduktus folgen oder suggeriert eine rätselhafte Drehbewegung im abschließenden „Das Karussell“. Melodie und Rhythmus entstehen organisch aus der Sprache – eine Herangehensweise, die auch Rilke mit seiner Nähe zu Malerei und Skulptur sicher gefallen hätte.

Die CD hat – zum Glück – absolut nichts Betuliches, ja, bisweilen ist Steins Musik richtiggehend ausgelassen und frech, etwa wenn es um diesen (auch für Rilke ungewohnt deutlichen) Text geht: „Graue Liebesschlangen habe ich aus deinen/Achselhöhlen gescheucht. Wie auf heißen Steinen/liegen sie jetzt auf mir und verdauen Lust-Klumpen“. Eine äußerst gelungene Produktion in edlem Buch-Cover.

Martin Schuster, Concerto

Großer Stoff

Rainer Maria Rilke war eigentlich immer populär, doch in letzter Zeit nehmen sich vermehrt Musiker seiner berühmten Gedichte an Auch der Kölner Saxofonist Norbert Stein und seine Pata Messengers "Play Rainer Maria Rilke", wie es im Untertitel der CD heißt. Dabei trägt jeweils Ingrid Noemi Stein ein Gedicht vor, anschließend spielt Steins Quartett mit Nicola Hein an der E-Gitarre, Joscha Oelz am Bass und dem Schlagzeuger Etienne Nillesen. Es ist dringliche, intensive Musik mit durchaus spirituellem Charakter, die - wenn überhaupt - am ehesten an den Impulse!-Jazz der 1960er-Jahre von Coltrane und Sanders denken lässt (manchmal auch an coole NoWave-Zeiten) und sehr gut zum hohen Ton und leicht mysteriösen Charakter der Rilke-Gedichte passt. Das ist sicher keine Musik, die man jeden Tag hören möchte. Aber wer sich schon einmal mit einem Gedanken wie "Freilich ist es seltsam, die Erde nicht mehr zu bewohnen" beschäftigt hat, wird die Tonkaskaden Steins und die schroffen Hervorbringungen Heins zu schätzen wissen. Großer Stoff.

Rolf Thomas, Jazzthing

Nur selten glückt "Jazz & Lyrik" so wie hier

Acht Gedichte Rilkes von der Schauspielerin Ingrid Noemi Stein ohne Musik vorgetragen. So bleiben die assoziationsreichen, vieldeutigen acht Gedichte in ihrer natürlichen Wirkkraft bestehen. Dann werden Stimmungen und Ideen, teils auch die Rhythmik der Lyrik von Vater Norbert Stein (ts, comp) Nicola Hein (g), Joscha Oetz (b) und Etienne Nillesen (dr) aufgegriffen und feinnervig, überraschend, inspiriert weitergesponnen. Nur selten glückt "Jazz & Lyrik" so wie hier.

Marcus A. Woelfle, Silberhorn

Das gewisse Extra

Mit ihren kunstvoll verschlungenen Reimbändern und ihren fließenden Rhythmen gelten die Gedichte Rainer Maria Rilkes als Inbegriff poetischer Lyrik. Der Kölner Komponist und Tenorsaxophonist Norbert Stein ist nicht der erste Musiker, der sich Rilkes Texten mit jazz-inspirperter klanglicher Kunst anzunähern sucht. Aber Norbert Steins Kompositionen haben das gewisse Extra, was den Hörer mit ihrer Rafinesse und bestechend transparenter Nähe anspricht. Norbert Stein sind in seiner Interpretation der Lyrik Rainer Maria Rilkes leichte und besonders ansprechende Miniaturen gelungen, die sich an die jeweils von der Schauspielerin Ingrid Noemi Stein vorgetragenen Gedichte einfühlsam anschmiegen.

In der bewusst spärlich instrumentierten Besetzung mit Tenorsaxophon, E-Gitarre, Kontrabass und eine auf Snaredrum und Cymbal reduzierten Percussion zaubern die Pata Messengers zu Rilkes Lyrik ein ausgesprochen ästhetisch anmutendes Klangbild.

Wolfgang M. Seemann, Wolnzacher Marktinfo

Intensive Stimmungsbilder

In stetem Wechsel setzen die Pata Messengers des Kölner Saxofonisten Norbert Stein und die Rezitatorin Ingrid Noemi Stein acht Gedichte Rainer Maria Rilkes und acht Musikstücke hintereinander. Dabei korrespondieren die musikalischen Antworten lose mit Atmosphäre, Rhythmus und Melodie der einfühlsam gesprochenen Texte, die von Liebe, Leidenschaft und Alltagsbeobachtungen handeln. Die mit Schlagzeug, E-Gitarre, Kontrabass und Tenorsaxofon sehr sparsam besetzte Formation ezeugt intensive Stimmungsbilder, deren Spanne von wilden Ausbrüchen über streng gegliederte Kompositionen bis zu zarter Melancholie reicht.

Werner Stiefele, stereoplay

Wie Rilke klingt -
Gedichte werden Musik

Und dann und wann ein weißer Elefant.“ Wie Ingrid Noemi Stein „Das Karussell“ von Rainer Maria Rilke (1875 - 1926) liest, das gleicht einer sachlichen Materialvorgabe für Norbert Stein (Tenorsaxophon), Nicola Hein (E-Gitarre), Joscha Oetz (Kontrabass) und Etienne Nillesen (Perkussion). Die Stimme verklingt – ein wunderschönes musikalisches Thema scheint auf.

Angetrieben vom Motor der Fantasie erwacht das mechanische Bestiarium zum Leben. Pferde wiehern, Löwen brüllen; die Musiker umkreisen ihr Thema, mit jeder Drehung des Karussells wechseln Motiv und Blickwinkel, und was manchmal so wild, so frei improvisiert wirkt, ist tatsächlich meisterhaft durchdacht und strukturiert. Acht Rilke-Gedichte hat Norbert Stein so in neue, packende Musik übersetzt. Der aufmerksame Hörer wird, frei nach dem Karussell, mit einem beseelten Lächeln belohnt.

Wolfgang Platzeck, WAZ

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